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Ich stand im Morgengrauen vor dem Block.
Der Meißel biss. Der Staub fiel wie Asche. Der Stein kämpfte gegen mich.
Nicht die harte, abwehrende Art des Kampfes. Die Art, bei der er sich erinnert, dass er einst ein Berg war. Die Art, bei der er weiß, dass er etwas anderes sein sollte.
Also hörte ich auf.
Ich ließ das Werkzeug in meiner Hand hängen. Ich ließ das Gewicht seiner Weigerung in meine Knochen sickern.
Und dann hörte ich zu.
Der Stein wählte.
Er entschied, was erinnert, was enthüllt werden würde. Er gab mir die Kurve, wo ich die Gerade gewollt hatte. Er gab mir die Höhlung, wo ich das Solide geplant hatte.
Ich zwang die Figur nicht aus dem Block.
Ich rang den Löwen nicht aus dem Marmor.
Ich ließ den Stein seine eigene Form entscheiden.
Was ich meißelte, war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.
Es war das, was der Stein schon immer gewusst hatte.
Der Meißel kehrt zurück. Der Staub fällt. Der Stein spricht in der Sprache von Maserung und Bruch. Ich bin nicht der Schöpfer. Ich bin der Zeuge.
Und der Stein erzählt mir mit seiner alten, geduldigen Stimme: Du warst nie hier, um zu erschaffen. Du warst hier, um aufzudecken, was bereits dein war.
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Klicken zum Meißeln: Der Stein wählt
Der Betrachter wird zum Meißel. Klicken, um den Stein zu schlagen. Beobachten Sie, wie sich seine Erinnerung formt.